Die negaWatt Trilogie

Wir leben im Energieüberfluss und nehmen es kaum wahr. Es wäre halb so schlimm, wenn nicht 80% des CO2 Austosses mit Energie verbunden wäre (diese Zahl gilt für die Schweiz und auch in dieser Grössenordnung für die meisten entwickelten Länder). Die zu grosse CO2 Menge führt zur Klimaerwärmung, die wir alle kennen. Dazu addiert sich die Knappheit an energetischen Ressourcen, die immer deutlicher wird. Fazit: unser Umgang mit Energie muss sich ändern.

Eine Politk und drei Pfeilern

Eine Negawattenergiepolitik ruht auf drei Pfeilern : Suffizienz (auch Genügsamkeit oder Mässigung genannt), Effizienz und erneuerbare Energien (EE). Nach dem französischen Negawattszenario bringt die Sparsamkeit 10 bis 15% weniger Energieverbrauch und die Effizienz 30 bis 35%. Der Rest wird durch erneuerbare Energien gedeckt. Diese kann man importieren, das Ziel ist jedoch, so viel wie es geht lokal herzustellen und regional zu benützen.

Wenn Sie im Strombereich die beiden erwähnten Zahlen addieren, bekommen Sie ungefähr das, was die Atomkraftwerke in der Schweiz produzieren! So schnell wird es nicht umgesetzt, aber es lohnt sich das Negawattprinzip zu berücksichtigen.

Negawatt, Decroissance und Verzicht?

Das Negawattprinzip hat nichts mit Verzicht oder Decroissance zu tun. Das ist nicht das Ziel. Mit dem schweizerischen Atomausstieg fragt man sich, wie die Stromproduktion der verlorenen AKWs ersetzen wird. Man feilt an neuen Konzepten, man möchte neue Staudämme bauen, sehr viele Windräder installieren und viele m2 Fotovoltaïk… und vergisst dabei, dass wir sehr viel Energie verschwenden. Die günstigste kWh ist die, die eingespart wird! Es müssen mehr Negawatts produziert werden!

Wer spricht dagegen?

Wer sagt, dass eine nW-Politk nicht möglich wäre? Diejenigen, die am häufigsten zum Wort kommen sind Politiker (Viele von ihnen verstehen die Energieproblematik kaum. Man muss jedoch auch zugeben, dass von Politikern viel Wissen auf sehr viel Ebenen abverlangt wird.) oder die Energieverantwortlichen von Grosskonzernen, die so lange wie möglich beim alten Geschäftsmodell bleiben wollen. Diese Energiekonzerne, die Grosskraftwerke besitzen oder verwalten, machen ihren Umsatz mit der Energiemenge, die sie verkaufen. Sie sind nicht bereit diese Menge in Frage zu stellen.

Beispiele

Mit wenigen Mitteln, kaum mehr als eine Webseite um sich auszutauschen, haben seit sechs Jahren die sogenannten ‘familles à énergie positive’ in Frankreich im Schnitt 8 bis 12% Energie gespart. Mit etwas mehr Mitteln, Aufklärungsarbeiten oder Werbekampagnen lässt sich selbstverständlich mehr machen. Der französische Energieberater Olivier Sidler, der zu den nW-F Gründern und besten Energieberatern Europas gehört, hat etliche Studien zum Stromverbrauch bei Privatkunden und Firmen geführt und erklärt immer wieder: «Seinen Energieverbrauch von 30 bis 35% zu reduzieren ist sehr einfach. Die, die es versucht haben, wissen es. »

Wir können schnell lernen, wenn wir wollen und wenn die Botschaft gut erklärt worden ist. Steve Jobs hat uns auf seine Art gezeigt, wie viel man in kurzer Zeit mit den passenden Werkzeugen wie I-Pad, I-Pod usw erreichen kann. In den letzten Jahren haben wir beim Autofahren gelernt den Gurt immer an zuschnallen, mit einem neuen Buchstaben (nämlich @) umzugehen, PET Flaschen zu recyceln, das Handy ständig dabei zu haben, per Apps dies oder jenes zu erledigen und wir würden auch verstehen, was eine negaWatt-Energiepolitik bzw. Suffizienz bedeutet?

Einige erlauben sich sogar zu sagen, dass ein Umdenken zu teuer wäre. Ist es nicht unsere Pflicht etwas gegen die globale Erwärmung zu tun? Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac hatte 2002 bei der internationalen Klimakonferenz von Johannesburg gesagt: «Das Haus brennt, und wir schauen anderswohin». Gute Rede mit standing Ovation für den Sprecher, die international bekannt geworden ist. Aber wo stehen wir heute? Wenn Politiker und Verantwortliche immer weiter die Kostenargumentation im Mund haben, bekommt man das Gefühl, dass man sich nur um den Preis der Feuerlöscher kümmert. Bernard Chabot, einer der Gründer von nW-F, pflegt zu sagen: “Sollten wir nicht den nächsten Generationen eher Wohltaten und Renten hinterlassen, anstatt Bürden und Altlasten.”